Kann eine positive Lebenseinstellung unserer Haut guttun?

Kann eine positive Lebenseinstellung unserer Haut guttun?

Warum Stress unter die Haut gehen kann – und was die Wissenschaft über Optimismus, Entspannung und die Hautbarriere weiß

„Das geht mir unter die Haut.“ Oder: „Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut.“ Unsere Sprache stellt seit Langem eine Verbindung zwischen seelischem Befinden und Haut her.

Aber steckt dahinter auch Biologie?

Tatsächlich gibt es inzwischen erstaunlich viele wissenschaftliche Untersuchungen dazu. Sie zeigen: Unsere Haut reagiert nicht nur auf Sonne, Kälte, trockene Luft oder Pflegeprodukte. Auch psychischer Stress kann messbare Veränderungen der Haut verursachen.

Und es gibt erste Hinweise darauf, dass eine positive emotionale Grundhaltung und Entspannung diese negativen Auswirkungen zumindest teilweise abmildern können.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man sich eine gesunde Haut einfach „positiv denken“ kann. Die Zusammenhänge sind wesentlich interessanter – und biologisch durchaus plausibel.

Die Haut ist keine passive Hülle

Unsere Haut ist ein hochaktives Organ. Ihre äußerste Schicht, insbesondere die Hornschicht, bildet eine Barriere zwischen unserem Körper und der Umwelt.

Diese Hautbarriere hat unter anderem die Aufgabe,

  • einen übermäßigen Wasserverlust zu verhindern,

  • Reizstoffe und Allergene möglichst draußen zu halten,

  • vor Mikroorganismen zu schützen und

  • die darunterliegenden Hautschichten zu schützen.

Ein wichtiger Messwert für die Funktion dieser Barriere ist der sogenannte transepidermale Wasserverlust, kurz TEWL. Je schlechter die Barriere funktioniert, desto leichter kann Wasser über die Haut verloren gehen.

Gerade trockene und reife Haut ist auf eine möglichst gut funktionierende Barriere angewiesen. Im Laufe des Lebens verändern sich unter anderem Lipidgehalt, Feuchtigkeit und Regenerationsfähigkeit der Haut.[1]

Was Stress mit unserer Haut macht

Psychischer Stress löst im Körper eine ganze Reihe biologischer Reaktionen aus.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, kurz HPA-Achse. Sie gehört zum körpereigenen Stresssystem und beeinflusst unter anderem die Ausschüttung von Cortisol.

Interessanterweise besitzt auch die Haut selbst Bestandteile eines solchen Stressreaktionssystems. Hautzellen können auf Stresshormone und zahlreiche Botenstoffe reagieren.[2,3]

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit wertete 21 Untersuchungen zum Einfluss von psychischem Stress auf die epidermale Hautbarriere aus. Das Ergebnis war bemerkenswert eindeutig: Stress wurde unter anderem mit

  • einer verminderten Bildung epidermaler Lipide,

  • Veränderungen von Strukturproteinen,

  • geringerer Feuchtigkeit der Hornschicht und

  • erhöhtem Wasserverlust über die Haut

in Verbindung gebracht.[2]

Stress findet also nicht nur „im Kopf“ statt.

Prüfungsstress lässt sich sogar an der Haut messen

Besonders anschaulich zeigte dies eine Untersuchung an Studenten.

Die Forscher untersuchten 27 Medizin-, Zahnmedizin- und Pharmaziestudenten mehrfach: während vergleichsweise entspannter Zeiten und während ihrer Abschlussprüfungen.

Zunächst wurde die Hautbarriere mit einer standardisierten Methode leicht beansprucht. Anschließend beobachteten die Wissenschaftler, wie schnell sie sich wieder erholte.

Während der stressreichen Prüfungsphase verlief diese Regeneration langsamer als während der weniger belastenden Zeiträume.

Besonders interessant: Diejenigen Studenten, deren subjektiv empfundener Stress am stärksten angestiegen war, zeigten auch die deutlichsten Veränderungen der Hautbarriere.[4]

Auch kurzfristiger Stress hinterlässt messbare Spuren

Dass es sich dabei nicht nur um eine Begleiterscheinung des Studentenlebens handelt, zeigte eine weitere kontrollierte Untersuchung.

85 gesunde Erwachsene wurden nach einer standardisierten Beanspruchung der Haut entweder einer Stresssituation oder einer ruhigen Kontrollsituation ausgesetzt.

Zwei Stunden später war die Wiederherstellung der Hautbarriere in der Stressgruppe um etwa 10 Prozent verzögert.[5]

Damit konnte unter kontrollierten Bedingungen gezeigt werden, dass bereits kurzfristiger psychischer Stress die Regeneration der Hautbarriere beeinflussen kann.

Und was ist nun mit einer positiven Lebenseinstellung?

Genau diese Frage untersuchte eine besonders interessante Studie der University of California.

60 gesunde junge Erwachsene beantworteten zunächst Fragebögen zu ihrer emotionalen Grundhaltung. Die Forscher bestimmten dabei unter anderem den sogenannten „trait positive affect“.

Damit ist nicht gemeint, dass jemand ständig glücklich sein muss. Gemeint ist vielmehr eine relativ stabile Tendenz, häufiger Gefühle wie Freude, Interesse, Begeisterung oder Zuversicht zu erleben.

Danach wurde die Hautbarriere der Teilnehmer standardisiert beansprucht. Ein Teil der Personen wurde anschließend einem etablierten psychologischen Stresstest ausgesetzt.

Das Ergebnis:

Unter den gestressten Teilnehmern erholte sich die Hautbarriere bei Menschen mit ausgeprägterer positiver emotionaler Grundhaltung schneller als bei Menschen mit niedrigeren Werten.

Der Unterschied war unabhängig davon, wie stark negative Emotionen ausgeprägt waren.[6]

Bemerkenswert ist aber eine wichtige Einschränkung: Bei den nicht gestressten Teilnehmern zeigte sich dieser Zusammenhang nicht eindeutig.

Die Forscher interpretierten ihre Ergebnisse deshalb vor allem als Stresspuffer-Effekt positiver Emotionen.

Mit anderen Worten:

Eine positive Grundhaltung scheint die Haut nicht einfach grundsätzlich „besser“ zu machen. Sie könnte aber dazu beitragen, dass Belastungen weniger stark auf bestimmte Regenerationsprozesse durchschlagen.

Optimismus und Wundheilung

Eine weitere Untersuchung liefert einen Hinweis in dieselbe Richtung.

Bei 52 gesunden Menschen, die eine Niere spendeten, wurde die Heilung der Operationswunde mit hochauflösendem Ultraschall verfolgt.

Vor der Operation ermittelten die Wissenschaftler unter anderem Stressniveau, Optimismus und Persönlichkeitsmerkmale.

Ein höheres Stressniveau und geringerer Optimismus waren mit einer langsameren Wundheilung verbunden. Menschen mit höherem Optimismus zeigten im Durchschnitt günstigere Heilungsverläufe.[7]

Auch hier gilt: Eine solche Beobachtung beweist nicht, dass Optimismus allein die Ursache für eine schnellere Heilung ist. Sie unterstützt aber die Vorstellung, dass psychische Faktoren biologische Regenerationsprozesse beeinflussen können.

Entspannung: 20 Minuten mit messbarem Effekt

Besonders spannend wird es, wenn nicht nur Persönlichkeitsunterschiede beobachtet werden, sondern aktiv etwas verändert wird.

In einer randomisierten Untersuchung mit 121 gesunden Erwachsenen hörten Teilnehmer für 20 Minuten eine geführte Entspannungsübung – entweder vor oder nach einer standardisierten Beanspruchung der Haut.

Die Kontrollgruppe verbrachte dieselbe Zeit mit ruhigem Lesen.

Bei den Personen aus den Entspannungsgruppen erholte sich die Hautbarriere anschließend signifikant schneller als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe.[8]

Eine einzelne Studie ist natürlich noch kein Beweis dafür, dass tägliche Entspannung dauerhaft eine bessere Haut erzeugt. Sie zeigt aber eindrucksvoll, wie eng psychische und körperliche Prozesse miteinander verbunden sein können.

Was passiert dabei in der Haut?

Die Forschung spricht heute häufig von einer Brain-Skin-Axis, also einer Kommunikation zwischen Gehirn, Nervensystem, Immunsystem und Haut.

Stress kann beispielsweise

  • die Ausschüttung von Cortisol und anderen Stresshormonen verändern,

  • Entzündungsbotenstoffe beeinflussen,

  • die Aktivität von Nervenzellen und Neuropeptiden verändern,

  • die Bildung epidermaler Lipide beeinflussen und

  • Prozesse der Zellteilung und Differenzierung verändern.[2,3,9]

Diese Mechanismen könnten erklären, warum chronischer Stress bei manchen Menschen mit trockenerer, empfindlicherer oder schlechter regenerierender Haut verbunden ist und warum bestimmte Hauterkrankungen in Stressphasen stärker auftreten können.

Stress und Wundheilung: Die Gesamtheit der Studien

Der Zusammenhang beschränkt sich nicht auf einzelne Experimente.

Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte 22 wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Wundheilung beim Menschen.

In 17 der 22 Untersuchungen war Stress mit schlechterer Heilung oder ungünstigen biologischen Heilungsmarkern verbunden.

Für elf Studien konnte zusätzlich eine gemeinsame statistische Auswertung durchgeführt werden. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen stärkerem Stress und schlechterer Wundheilung.[10]

Die Autoren betonten allerdings ebenfalls, dass weitere kontrollierte Untersuchungen nötig sind, um Ursache und Wirkung noch genauer zu verstehen.

Bedeutet das: Gute Laune macht schöne Haut?

So einfach wäre die Aussage wissenschaftlich nicht haltbar.

Es gibt bislang keinen überzeugenden Beweis dafür, dass optimistische Menschen grundsätzlich glattere, jüngere oder schönere Haut haben.

Sehr viel besser belegt ist:

Psychischer Stress kann verschiedene Funktionen der Haut beeinträchtigen.

Und es gibt Hinweise darauf, dass positive Emotionen, Optimismus oder gezielte Entspannung manche dieser Stresswirkungen abmildern können.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Positive Lebenshaltung sollte deshalb nicht als eine Art „Anti-Aging-Behandlung von innen“ verstanden werden.

Sie ist vielmehr ein Baustein eines Lebensstils, bei dem Körper und Psyche nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

Fünf Dinge, über die sich möglicherweise auch Ihre Haut freut

Niemand kann Stress vollständig vermeiden. Und niemand muss den ganzen Tag glücklich sein.

Einige einfache Gewohnheiten können trotzdem helfen:

1. Kleine Erholungsphasen einplanen

Schon kurze Zeiten ohne Termine, Smartphone oder andere Anforderungen können helfen, das Stressniveau zu senken.

2. Bewegung nicht unterschätzen

Regelmäßige Bewegung unterstützt nicht nur Herz und Kreislauf, sondern kann auch psychischen Stress reduzieren.

3. Schlaf ernst nehmen

Ausreichender Schlaf ist ein wichtiger Bestandteil körperlicher Regeneration. Schlafmangel wiederum gehört selbst zu den Stressfaktoren, die in Untersuchungen zur Hautbarriere eine Rolle spielen.[2]

4. Angenehme soziale Kontakte pflegen

Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und soziale Verbundenheit können helfen, Belastungen besser zu bewältigen.

5. Die Haut gleichzeitig von außen unterstützen

Psychische Ausgeglichenheit ersetzt selbstverständlich keine Hautpflege.

Vor allem trockene und reife Haut profitiert von einer regelmäßigen, hautschonenden Pflege, die hilft, Feuchtigkeit in der Haut zu halten und die Hautoberfläche vor zusätzlicher Austrocknung zu schützen.

Hautpflege ist mehr als ein Cremetiegel

Vielleicht liegt darin eine schöne Erkenntnis:

Wir kümmern uns um unsere Haut häufig ausschließlich von außen. Wir reinigen sie, cremen sie ein und schützen sie vor Sonne und Kälte.

Die Forschung zeigt jedoch zunehmend, dass unsere Haut gleichzeitig auf Vorgänge innerhalb unseres Körpers reagiert.

Stress, Schlaf, Emotionen und unser allgemeines Wohlbefinden können dabei eine Rolle spielen.

Eine positive Lebenshaltung ist deshalb sicherlich kein Wundermittel für schöne Haut.

Aber weniger dauerhafter Stress, mehr angenehme Momente und bewusste Erholung könnten unserer Haut tatsächlich dabei helfen, das zu tun, was sie jeden Tag leisten muss:

sich schützen, regenerieren und ihre natürliche Barriere erhalten.

Und vielleicht ist „sich wohl in seiner Haut fühlen“ damit wissenschaftlich betrachtet gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.


Wissenschaftliche Literatur

[1] Elias PM, Ghadially R. The aged epidermal permeability barrier: basis for functional abnormalities. Clin Geriatr Med. 2002;18(1):103–120. doi:10.1016/S0749-0690(03)00037-5.

[2] Maarouf M, Maarouf CL, Yosipovitch G, Shi VY. The impact of stress on epidermal barrier function: an evidence-based review. Br J Dermatol. 2019;181(6):1129–1137. doi:10.1111/bjd.17605.

[3] Sun MD, Rieder EA. Psychosocial Stress and Mechanisms of Skin Health: A Comprehensive Update. J Drugs Dermatol. 2021;20(1):62–69. doi:10.36849/JDD.5608.

[4] Garg A, Chren MM, Sands LP, et al. Psychological stress perturbs epidermal permeability barrier homeostasis: implications for the pathogenesis of stress-associated skin disorders. Arch Dermatol. 2001;137(1):53–59. doi:10.1001/archderm.137.1.53.

[5] Robles TF. Stress, social support, and delayed skin barrier recovery. Psychosom Med. 2007;69(8):807–815. doi:10.1097/PSY.0b013e318157b12e.

[6] Robles TF, Brooks KP, Pressman SD. Trait positive affect buffers the effects of acute stress on skin barrier recovery. Health Psychol. 2009;28(3):373–378. doi:10.1037/a0014662.

[7] Maple H, Chilcot J, Lee V, Simmonds S, Weinman J, Mamode N. Stress predicts the trajectory of wound healing in living kidney donors as measured by high-resolution ultrasound. Brain Behav Immun. 2015;43:19–26. doi:10.1016/j.bbi.2014.06.012.

[8] Robinson H, Jarrett P, Broadbent E. The Effects of Relaxation Before or After Skin Damage on Skin Barrier Recovery: A Preliminary Study. Psychosom Med. 2015;77(8):844–852. doi:10.1097/PSY.0000000000000222.

[9] Lyu F, Wu T, Bian Y, Zhu K, Xu J, Li F. Stress and its impairment of skin barrier function. Int J Dermatol. 2023. doi:10.1111/ijd.16598.

[10] Walburn J, Vedhara K, Hankins M, Rixon L, Weinman J. Psychological stress and wound healing in humans: a systematic review and meta-analysis. J Psychosom Res. 2009;67(3):253–271. doi:10.1016/j.jpsychores.2009.04.002.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über wissenschaftliche Forschung zu Stress, Wohlbefinden und Haut. Er ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

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